„Einfach Hammer – ganz starke Nummer“ – mit diesen Worten beschrieb Cheftrainer Gavrila Spiridon den bisher größten Erfolg seines Schützlings Jens Kientzle. In der Klingenstadt Solingen belegte der SVB-Degenfechter bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven einen sensationellen dritten Platz und übertraf dabei das bereits ambitionierte Ziel Top Acht. Auf seinem Erfolgsweg konnte ihn nicht einmal ein Stromausfall stoppen.

Dabei hatte Kientzle die Planche am Morgen zuerst mit dem falschen Fuß betreten. Nur zwei Siege und vier Niederlagen, der Böblinger zitterte sich durch die Vorrunde ins K.O. „Da war Jens zu vorsichtig und hat zu viel taktiert“, kritisierte Chefcoach Gavrila Spiridon seinen Schützling. Mit diesem Ergebnis war klar – „es kommt gleich ein Hammergegner im nächsten Durchgang“: Wahed Shafiq vom Heidelberger FC / TSG Rohrbach, der beim diesjährigen Allstar Cup in Reutlingen Rang Zwei belegt hatte.

Spiridon wirkte beruhigend auf Kientzle ein; der ging schnell in Führung und blieb bis zum Schluss fehlerfrei. Mit dem 15:12-Erfolg übernahm der Böblinger die Setzung und den Lauf seines Gegners. Im 32er-K.O. wartete der aktuelle U16-Europameister Rico Braun vom FC Tauberbischofsheim. In einem dramatischen Kampf hatte Kientzle das Glück auf seiner Seite und gewann 15:14.

Auch die Achtelfinalpartie gegen den Heidelberger Schmier war alles andere als ein Kinderspiel. „Schmier ist zwar als äußerst unangenehmer Gegner bekann“, berichtet Spiridon, „aber Jens ging schnell mit 7:2 in Führung“. Doch dann kam höhere Gewalt in Form eines Stromausfalls ins Spiel. „Es gab eine unheimlich lange Pause, bis der Elektriker wieder alles im Griff hatte. Und plötzlich kippte das Gefecht“. Schmier holte auf und zum Schluss rettete sich Kientzle über einen Zeitablauf zum 14:13-Sieg.

Im Viertelfinale stand Kientzle von Beginn an unter Strom. Gegen den Heidenheimer Constantin Böhm, zuletzt Medaillengewinner bei den Deutschen und U23-Europameisterschaften, lieferte sich der SVBler einen spannenden Schlagabtausch. „Wir beide kennen uns ja von zahlreichen gemeinsamen Trainingseinheiten schon sehr gut“, erzählt Kientzle. „Constantin trainiert einmal die Woche bei uns in Böblingen und wir sind immer wieder im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim“.

Kientzle konnte den Fahrplan fürs Gefecht mit Bravour umsetzen und überwand auf dem Weg zum 15:14-Sieg auch mehrere Muskelkrämpfe in seinen Beinen. „Ich war total platt“, kommentierte Kientzle das Match. Damit hatte Stefan Rein vom Heidenheimer SB im Halbfinale mehr oder weniger leichter Spiel und gewann mit 15:10 gegen das Böblinger Degen-Ass.

„Eine Bronze-Medaille für Jens Kientzle bei Aktiven Deutschen Meisterschaften – das hätte doch vorher keiner für möglich gehalten“, jubelte Trainer Spiridon. „Deswegen ist das eine unglaublich starke Leistung, die nicht hoch genug einzuschätzen ist.“ In der gemeinsamen Freude gab es auch Dankesworte: „Unsere Arbeit und vor allem das Training in den Ferien hat sich absolut ausgezahlt. Daher auch unser Dank an Frau Weber vom Landratsamt, die uns das ermöglich hat“.

 

Steffi SCHMID

Bild: Kientzle mit seinem Trainer Gavrila Spiridon