Nach fast 20 Jahren ist es wieder soweit – die SVB Degenherren gewannen vergangenes Wochenende in Stralsund den Vereinspokal der Deutschen Degenfechter. Nach 1995 und 1997 konnte sich zum dritten Mal ein SVB-Quartett in die Siegerliste eintragen.

 

In der aktuellen Saison gingen im Deutschlandpokal über 104 Teams an den Start. Die SVB-Herren in wechselnder Besetzung mit Tobias Weckerle, Daniel Karle, Jens Kientzle, Rollifechter Maurice Schmidt und Gavrila Spiridon hatten sich mit einem Freilos in Runde Eins im Herbst 2015 und weiteren Siegen über den FC Hardheim-Höpfingen (45:29), die TSG Friesenheim (45:35) und Mannheim (45:36) ins Finale der besten Acht gefochten.

 

In Stralsund waren Karle, Kientzle, Schmidt und Spiridon dabei. Wie gut die Württembergischen Teams sind, zeigte das Tableau – neben Böblingen hatten sich auch Reutlingen und die Musketiere aus Heidenheim für das Finale qualifiziert.

 

„Dann kam die Auslosung“, berichtet Jens Kientzle. „SV Böblingen gegen TSG Reutlingen – gleich im ersten Match ein Württembergisches Duell, das fanden wir alle schade“. Die SVBler gingen nach drei von neun Gefechten mit 15:7 in Führung. „Knapp wurde es nur einmal“, erzählt Spiridon, der gegen den besten Reutlinger Felix Lindemann Treffer abgab. Danach bewies das Team weiter Zusammenhalt, Spiridons Jungs ließen nichts mehr anbrennen und schafften einen deutlichen 45:35 Sieg.

 

Im Halbfinale durfte das SVB-Team gegen die Vertreter des Herner TC auf die Planche. Hochkonzentriert und am Ende überlegen setzte sich Böblingen mit 45:25 durch und stand damit im Goldkampf, für den sich auch der Heidenheimer SB mit einem Sieg über Titelverteidiger Berlin qualifiziert hatte.

 

„Das wird kein Spaziergang“, war man sich im SVB-Lager einig. Noch einmal schwor Spiridon seine Fechter auf die letzten Gefechte ein und zog auch alle taktischen Register. „Wir hatten unsere Mannschaftsaufstellung im Vergleich zu den anderen Matches getauscht, d.h. dieselben Fechter, aber in einer anderen Reihenfolge“. Das kann beim Fechten den Unterschied machen, Gegner Heidenheim  – überrascht, versuchte sogleich, seinen vierten Mann einzuwechseln.

 

In einem hochkarätigen Schlagabtausch ging die SVB mit 5:4 in Führung. Maurice Schmidt, der das Überraschungsmoment als Rollifechter zu nutzen wusste, legte mit einem 10:5

nach. Jens Kientzle baute die Führung zum 15:8 aus. Für die Zuschauer war auch im zweiten Drittel leidenschaftliches Degenfechten zu sehen. Das 18:12 von Spiridon, die 25:18-Führung von Kientzle und das 30:18 von Maurice Schmidt waren die Grundlage für den späteren Sieg.

 

„Die Heidenheimer haben ihrerseits auch wieder taktische Pausen gemacht, um uns aus dem Konzept zu bringen“, erzählt Daniel Karle. Zweimal entschied der Kampfrichter auf Passivität und unterbrach die Gefechte. Die Aufholjagd des früheren A-Kaderfechters Wolfgang Reich aus Heidenheim startete zu spät. Böblingen brachte die Führung souverän mit 45:39 nach Hause.

 

„Das ist einfach der Hammer“, freute sich das SVB-Quartett. „Wir haben seit 1997 oft am Finale „gekratzt“, dieser Sieg ist einfach eine logische Konsequenz der guten Arbeit in unserer Abteilung“, gratulierte der ganze Vorstand noch am selben Abend. „Jetzt genießen wir den Sieg und hoffen, dass wir beim nächsten Mal nicht wieder so lange drauf warten müssen“, lachten die neuen Pokalgewinner.

 

Steffi SCHMID

 

Deutschlandpokal – einfach erklärt:

Worum geht’s?

Der Deutschlandpokal ist ein Mannschaftswettbewerb im Damen-/Herrenflorett, Damen-/Herrendegen und Damen-/Herrensäbel, der jedes Jahr ausgetragen wird.

Wer darf mitmachen?

Startberechtigt sind alle Fechtvereine und Fechtabteilungen des Deutschen Fechterbundes.

Sind auch Rollifechter dabei?

Die Teilnahme von Rollstuhl-Fechtern (max. ein Rollstuhl-Fechter je Mannschaft) ist zulässig.

In welchem Modus wird der Pokal ausgetragen?

Die Austragung der einzelnen Runden – bis zum Finale insgesamt vier – erfolgt in 2er-Begegnungen, ähnlich wie beim DFB-Pokal der Fußballer. Das Finale mit acht Mannschaften je Disziplin findet an einem wechselnden Finalort statt und wird im Stafettenmodus ausgetragen. Die Setzliste wird vor Ort ausgelost. Alle Plätze werden ausgefochten.